Es ist ja mittwerweile nicht´s neues, dass sich Personaler als auch Headhunter im Social Web auf die Suche nach potenziellen Mitarbeitern begeben. Entsprechen die Kandidaten dem Beuteschema des Unternehmen, werden sie meist via Xing oder Linked-In-Nachricht angeschrieben. Doch wie sieht es mit den anderen Kanälen aus, auf denen sich die User tummeln wie z.B. Twitter, Friendfeed & Co? Hier knüpft das Geschäftsmodell der Hamburger Personalberatung atenta an, die sich auf Social Media Recruiting spezialisiert hat. Zu Konzept, Erfahrungen und Trends hab ich den Geschäftsführer Jan Kirchner befragt.
1. Was ist das besondere an Ihrer Personalberatung?
Unsere Personalberatung atenta hat sich als eine der ersten in Deutschland auf Social Media Recruiting
spezialisiert und nimmt in diesem Bereich eine Vorreiterrolle ein. Im
Gegensatz zu den Beratungen, die jetzt erst auf den fahrenden Zug
aufspringen, gestalten wir das Social Media Recruiting bereits seit
einiger Zeit aktiv mit. In unserem Corporate Blog "
Wollmilchsau" veröffentlichen wir regelmäßige Ansätze und Ideen zu diesem relativ
jungen Bereich der Personalsuche. Im September haben wir mit dem
Buchtitel "Online-Personalsuche -
Praxishandbuch für aktive
Personalbeschaffung im Internet" das erste deutschsprachige Grundlagenwerk zum Online- und Social Media
Recruiting veröffentlicht. Mit der Entwicklung der Echtzeit Job- und
Kandidatensuchmaschine
jobtweet.de leisten wir außerdem einen innovativen technischen Beitrag zur
Weiterentwicklung des Social Media Recruiting. (für den uns die Leser
der Financial Times Online übrigens kürzlich mit dem Titel zum "Gründer
des Monats" belohnt haben).
2. Wie läuft das "Social-Media-Recruiting" bei Ihnen ab?
Als Personalberater werden wir hauptsächlich mit der Suche nach
Führungskräften und Spezialisten im technischen Umfeld beauftragt. Hier
stellt sich zuerst einmal die Frage, über welche Social Media Kanäle
ich die anvisierte Zielgruppe am Besten erreiche. Nicht alle Sozialen
Netzwerke und Communities sind pauschal gleichermaßen zur Ansprache von
zukünftigen Mitarbeitern geeignet. Im ersten Schritt ist es also wichtig, anhand der Nutzerstruktur die
für den konkreten Einzelfall interessanten Plattformen zu
identifizieren. Im zweiten Schritt gilt es dann, eine Strategie zur
Ansprache zu entwickeln. Damit die Ansprache von den Nutzern angenommen
wird, muss man die Art und den Ton der Ansprache einzeln an jede der
ausgewählten Plattformen anpassen. Da die Umgangsformen je nach
Plattform erheblich voneinander abweichen, setzt dieser Schritt eine
ausgeprägte Erfahrung im Umgang mit der jeweiligen Plattform voraus.
4. Welche Erfolge konnten Sie bisher erzielen - in welchen Branchen?
Da unsere Personalberatung vor allem in den Bereichen Ingenieurwesen
und IT tätig ist, findet sich der Großteil unserer Erfolge in diesen
Berufsfeldern. Wir haben aber auch schon Mediziner über das Social Web
gewonnen. Allgemein betrachtet wird das Social Web derzeit natürlich noch von
web- und medienaffinen Berufen, also z.B. PR-, Marketing-, Sales- und
IT-Professionals dominiert. Es finden sich aber zunehmend Vertreter
aller Branchen im Social Web und wir sind überzeugt, dass sich das
Verhältnis der einzelnen Berufsgruppen zueinander in den kommenden
Jahren weiter angleicht.
5. Was steckt hinter "jobtweet"?
Jobtweet.de ist zunächst eine Echtzeit-Jobsuchmaschine auf Grundlage
des Microbloggingdienstes Twitter. Die Kernidee dahinter ist, aktuelle
Jobangebote über einen zentralen Anlaufpunkt in Echtzeit verfügbar zu
machen. Um unsere Nutzer auch bei der aktiven Stellen- und Mitarbeitersuche zu
unterstützen, bietet jobtweet außerdem eine Profil-/ Biosuche an, mit
der sich die über jobtweet verbreiteten Stellengesuche und die Profile
von fast 20 Millionen Twitternutzern durchsuchen lassen. Diese Funktion
eignet sich übrigens hervorragend zum gezielten Aufbau einer am eigenen
Thema interessierten Followerschaft.
Aber jobtweet bietet wesentlich mehr als nur die Suche nach
Informationen. Für Personal- und Stellensuchende, die heute schon den
Nutzen von Microblogging und Social Media erkennen, bietet jobtweet die
Möglichkeit ihre Stellenangebote und -gesuche in die Microbloggingwelt
zu bringen, ohne Vorkenntnisse haben zu müssen. Einzelne
Stellenangebote und -gesuche können manuell kostenfrei eingetragen
werden. Unternehmen mit einer Vielzahl von Stellenanzeigen können von
unserer automatisierten Einspeisung profitieren. Dabei holen wir alle
Stellen eines Unternehmens automatisch von der Firmenwebsite ab und
platzieren sie bei Twitter, friendfeed, identi.ca
etc., und das zu einem Flatrate-Preis. Das heisst im Klartext, dass
selbst wenn ein Unternehmen 500 Anzeigen pro Jahr über uns verbreiten
möchte, weniger Kosten anfallen, als für eine einzige einmonatige
Anzeige bei einer der etablierten Stellenbörsen.
6. Sehen Sie Ihr Geschäftsmodell als Anfang einer Massenbewegung?
Die Nutzung von Microblogging und Social Media zur Personalsuche wird
in den kommenden Jahren einen massiven Zulauf bekommen. Die
automatisierte Verbreitung von Stellenanzeigen auf Social Media
Plattformen auf Flatrate-Basis wird dabei aus Effektivitäts- und
Kostengründen einen entscheidenden Einfluss ausüben. Das aus dem Zeitungswesen stammende Geschäftsmodell der Web
1.0-Jobbörsen, einen festen Preis für jede einzelne Anzeige zu
verlangen, wird als Konsequenz dieser Entwicklung nach und nach
abgelöst werden.
7. Welche Tipps geben Sie jungen Führungskräften bei ihrer Jobsuche?
Der wichtigste Tipp, den ich jungen Führungskräfte geben kann, ist im
Vorfeld ihrer Aktivitäten zu überlegen, welche Kanäle in ihrem Fall
Sinn machen, und wie man sie am besten für die Stellensuche und den
Aufbau einer Arbeitnehmermarke (Personal Branding) einsetzt. Dabei müssen sie überlegen, welche Kanäle sie zur Informationsgewinnung
nutzen und welche dazu, Entscheider auf sich aufmerksam zu machen. Hat
man seinen persönlichen "Schlachtplan" erstellt ist es vor allem
wichtig ständig aktiv zu bleiben. Denn, wer nur konsumiert, wird nicht
wahrgenommen.
8. Über die Plattformbetreiber
Jan Kirchner und Alexander Fedossov haben zusammen studiert und sich im
Anschluss daran selbständig gemacht. Mit ihrer in Hamburg ansässigen
Firma atenta Personalberatung unterstützen sie Unternehmen aus dem
technischen Mittelstand bei der Suche nach Führungskräften und
Spezialisten. Dabei setzten sie von Beginn an auf die Methoden der
aktiven Online-Personalsuche und des Social Media Recruiting.
Über ihre Techniken, Erfahrungen und Ideen schreiben Sie regelmäßig im
Personalberater Blog "Wollmilchsau". Im September 2009 veröffentlichten
sie das Buch "Online-Personalsuche: Praxishandbuch für aktive
Personalbeschaffung im Internet". Mit jobtweet haben sie außerdem die erste deutschsprachige Job- und Kandidatensuchmaschine für den Microbloggingdienst Twitter entwickelt.